Nachhaltiges Wandern: ‚Leave No Trace‘

Egal ob auf Tagesausflügen oder Mehrtageswanderungen: Bei jedem Aufenthalt in der Natur ist es wichtig, so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen. Unsere Wälder und natürlichen Lebensräume, in denen wir so gern Wandern gehen, sind darauf angewiesen, dass wir sie schützen und bewahren. Umweltverschmutzung ist dabei das schwerwiegendste Problem und führt zu schleichender Veränderung der Ökosysteme – und letztendlich dazu, dass wir immer weniger unberührte Natur vorfinden. Für jede*n Wanderbegeisterte*n gilt daher, die Auswirkungen der eigenen Wanderung auf die Natur so gering wie möglich zu halten. Nur wie genau macht man das? Keinen Müll in die Natur werfen? Ist klar. Oder sollte es zumindest. Traurige Gegenbeispiele auf unseren hiesigen Wanderwegen gibt es leider genug. Aber auch darüber hinaus solltest du einige Regeln beachten, die deine Spuren, die du auf Wanderschaft automatisch hinterlässt, so gering wie möglich ausfallen lassen.
Wir von Wanderfreund diskutieren viel über nachhaltiges Wandern und vor allem, wie wir noch mehr zur Müllvermeidung beitragen können. Gerade Verpackungsmüll ist eher schwierig zu reduzieren, wenn du auf leichtes, meist in Plastik verpacktes Essen auf einer längeren Wanderung angewiesen bist. Dazu werden wir in einem unserer nächsten Posts ebenfalls näher eingehen. Bevor wir aber einzelne Punkte ganz konkret beleuchten, wollen wir dir hier ein paar Grundregeln zeigen, die in der „thru-hiking Community“ sehr verbreitet sind. Sie bieten eine sehr gute Grundlage, um den eigenen Einfluss auf Natur und Umwelt zu reduzieren und sie sind uns in Mark und Fleisch übergegangen. Wenn wir alle uns beim Weitwandern an diese Grundregeln halten, hat die Natur, hat unser Ökosystem schon viel gewonnen.

Leave No Trace 👣

In der internationalen Weitwander-Community ist „Leave No Trace“ eine Einstellung, die den Schutz der Natur in den Mittelpunkt rückt und allen Wanderbegeisterten Regeln an die Hand gibt, möglichst „keine Spuren zu hinterlassen“. Es sind Richtlinien, die uns helfen, unseren Einfluss auf Prozesse der Natur so klein wie möglich zu halten und es anderen zu ermöglichen, die wilden Ökosysteme ebenso genießen zu können.

1. Vorausschauend planen und vorbereiten

Eine gute Reiseplanung ist sowohl für deine Sicherheit als auch für dein Erlebnis in der Natur wichtig und die Grundlage für ein erfolgreiches „Leave No Trace“. Das allerwichtigste zuerst: Informiere dich über den Wanderweg, den du gehen möchtest. Im Internet gibt es für fast alle Weitwanderwege Informationen der Trail- oder Tourismus-Organisationen. Neben persönlichen Blogs von Wanderbegeisterten findest du viele Infos auch bei Wanderbares Deutschland oder bei den Top Trails of Germany. Informiere dich darüber hinaus über die Erfahrungen und Fähigkeiten deiner Mitwanderer. Damit dir der „Saft“ nicht ausgeht und bspw. die Wanderfreund-App dein perfekter Begleiter bleibt, packe ein Ladegerät und eine Powerbank ein, um dein Smartphone aufladen zu können. Eine Wanderkarte aus Papier ist als Backup je nach Wanderregion ebenfalls zu empfehlen. Informiere dich über die Wettervorhersage und richte deine Ausrüstung entsprechend danach aus, packe also z.B. ausreichend warme Kleidung und eine Regenjacke ein. Plötzliche Wetterumschwünge und unvorhergesehene Naturgewalten können Gefahren darstellen, die du immer im Blick behalten und nicht unterschätzen solltest. Die passende Wanderkleidung ist daher elementarer Bestandteil jeder Wanderplanung. Warme Kleidung, speziell nach einem anstrengenden Tag, ist ein Segen, wenn es Abends wieder frisch wird. Beim Equipment gilt generell der Grundsatz: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Denn ein schwerer Rucksack kann schon mal den einen oder anderen Kilometer kosten, den du eigentlich noch hättest wandern wollen.

2. Wandern & Campen auf geeigneten Oberflächen

Bleib auf ausgewiesenen Wanderwegen, um zu verhindern, dass Vegetation und Waldböden zertrampelt und zerstört werden. Abkürzungen und sogenannte „short cuts“, gerade bei serpentinenartigen Wanderwegen, sind definitiv tabu, auch wenn die Verlockung groß ist. Die dabei hervorgerufenen Schäden an der Bodenstruktur sind möglicherweise irreversibel. Wenn du jedoch mal abseits der Wanderwege wandern musst, versuche dich auf festen Oberflächen wie Felsen, Kies, Sand oder trockenem Gras aufzuhalten.
Die örtlichen Campingvorschriften solltest du in jedem Fall beachten. Schon bei deiner Planung solltest du dich mit den örtlichen Bestimmung vertraut machen. Schlage dein Nachtlager nur dort auf, wo es erlaubt ist. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Möglichkeiten legal im Wald zu campen. Der Neckartal Odenwald macht es bspw. vor und wir hoffen, dass viele solcher Beispiele zeitnah folgen. Mehr dazu ganz bald in einem extra Blogpost. Das Campen in ausgewiesenen Naturschutzgebieten, in Nationalparks oder auf Privatgrundstücken ist grundsätzlich verboten. In den deutschen Bundesländern gibt es dazu unterschiedliche Gesetzeslagen. Schaue im Vorfeld auf die jeweiligen Regelungen des Bundeslandes, in dem du unterwegs bist.

3. Abfall richtig entsorgen

Müll gehört in den Beutel! Achte darauf, dass du alle Abfälle einpackst und nichts in der Natur liegen lässt. Jeder noch so kleine Abfall kann Tiere anlocken und ist für zukünftige Wanderbegeisterte kein schöner Anblick. Zu den oft zurückgelassenen Abfällen gehören bspw. Zigarettenkippen oder organische Abfälle wie Orangenschalen oder andere Essensreste. Diese sind genauso unansehnlich und schädlich für natürliche Ökosysteme wie Papier- und Plastikabfälle. Abfall zu verbrennen oder zu vergraben hinterlässt ebenfalls Rückstände und zerstört Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Bitte nimm stattdessen immer eine Abfalltüte mit, um deinen Müll zu sammeln und im nächsten Mülleimer fachgerecht zu entsorgen. Einfache Zipbeutel (die etwas besseren, mit Schiebeverschluss) eignen sich dazu hervorragend. Die meisten kannst du sogar mehrfach verwenden. 🙂

„Menschliche Hinterlassenschaften“! Die korrekte Entsorgung des großen Geschäftes ist wichtig, um Wasserquellen und das Grundwasser nicht zu verunreinigen, die Verbreitung von Krankheiten zu vermeiden und die Zersetzungsrate deiner Hinterlassenschaft zu maximieren. Und den Anblick von Toilettenpapier im Wald mag schließlich niemand. Also: Bei aller Naturverbundenheit empfehlen wir dir der Einfachheit und Hygiene halber, für das große Geschäft so oft wir möglich eine öffentliche Toilette aufzusuchen. Sollte es doch mal zu eng werden, ist hier ein kleiner Plan, wie die Notdurft draußen verrichtet werden kann. Die perfekte Wildnis-Toilette: Grabe ein Loch, das ca. 15-20cm tief und mindestens 50m (ca. 70 Schritte) von jeder Wasserquelle entfernt ist. Manche Outdoor-Profis haben dafür extra eine kleine leichte Schaufel am Start, mit einem Stein oder deinen Wanderstöcken klappt das zur Not aber auch. Nach deinem Geschäft scharrst du das Loch wieder zu. Das benutzte Toilettenpapier solltest du nach Möglichkeit zusammen mit allen anderen benutzten Hygieneartikeln, wie Feuchtigkeits- und Desinfektionstüchern, im Müllbeutel verstauen. Eine kleine Schaufel oder Kelle und ein Hygienebeutel sind also ein Muss für deine Outdoor-Toilette.

4. Belasse die Natur, wie sie ist.

Gegenstände, die du in der Natur findest, sollten auch genau dort bleiben. Das Ökosystem funktioniert nur mit allen Bestandteilen, die die Natur selbst hervorbringt. (Zer)Störungen jeglicher Art sind daher definitiv zu minimieren oder ganz zu unterlassen. Belasse daher alle Dinge dort, wo du sie vorfindest. Dazu gehören Geweihe, Federn, Blumen etc. aber auch kulturelle Artefakte. Beobachte historische Stätten oder archäologische Ausgrabungen nur aus der Ferne, vermeide das Beschädigen von Pflanzen oder Bäumen, bspw. durch das Verlassen von Wegen oder gar durch Schnitzereien. Unser Tipp: Nimm lieber einzigartige Erinnerungen mit nach Hause und belasse die Natur, wie sie ist.

5. Lagerfeuer

Informiere dich genau über die örtlichen Vorschriften für das Betreiben eines Lagerfeuers und mache nur dort Feuer, wo es auch erlaubt ist. Erkundige dich auch bezüglich der aktuellen Waldbrandgefahr. Für Deutschland gibt es einheitliche Waldbrandgefahrenklassen (von 1 – 5), die du bei der örtlichen Feuerwehr oder dem deutschen Wetterdienst in Erfahrung bringen kannst. An ausgewiesenen Lagerfeuerstellen kann es aufgrund einer aktuellen Waldbrandgefahrenstufe daher sein, dass du kein Feuer machen darfst. Wenn möglich, vermeide ein Lagerfeuer komplett und nutze zum Kochen stattdessen bspw. einen Campingkocher. Wenn du nicht auf ein Lagerfeuer verzichten möchtest und die Waldbrandgefahrenstufe es zulässt, lege einen dafür konstruierten Feuerring an. Sammle nur kleine, tote Holzstücke von herumliegendem Holz. Lass dabei die Feuerstelle niemals aus den Augen und beobachte den Funkenflug. Wenn du fertig bist, lösche das Feuer gründlich (mit Wasser und/oder Sand) und streue die restliche Asche weit aus. Ein echtes „Leave no trace“-Feuer gibt keine Hinweise, dass es jemals angezündet wurde.

6. Habe die Tierwelt immer im Blick

Schnelle Bewegungen und laute Geräusche sind stressig für alle Tiere. Beobachte wilde Tiere daher ausschließlich aus der Ferne und halte ausreichenden Abstand. Wenn du mit deinem Hund unterwegs bist, halte ihn am besten an der Leine. Lasse gerade kleine Tiere an ihrem gewohnten Ort und nimm sie bspw. nicht mit nach Hause. Auch wenn die Verlockung groß ist, einen eigenen Wetterfrosch als Haustier zu besitzen, ist auch das ein Eingriff in die Natur. Wenn du z.B. einem Wildtier zu nahe kommst, steigt das Stress-Level beim Tier und durch fremde Gerüche können Eltern ihre Jungen sogar verstoßen. Dein eigener Schutz spielt aber auch eine Rolle: Wilde Tiere können Überträger von Krankheiten sein. Daher gilt: Wilde Tiere definitiv nicht füttern, da es ihrer Gesundheit schaden und ggf. sogar das natürliche Fressverhalten verändern kann. Dazu gehört auch, dass du deine eigene Nahrung sicher aufbewahren und Müll und Essensreste von Tieren fernhalten solltest.

7. Landwirtschaftliche Nutztiere sind auch Teil des Ökosystems

Auf deiner Wanderschaft, speziell in Deutschland, wirst du immer wieder an landwirtschaftlichen Nutzflächen vorbeikommen. Beobachte dabei das Vieh nur aus der Ferne und erspare so den Landwirt*innen und ihren Tieren möglichen Stress. Du solltest darauf achten, dass du keine Felder überquerst oder aus Gründen der Abkürzung über Zäune kletterst. Falls du auf freilaufende Herden triffst (bspw. die Heidschnucken in der Lüneburger Heide), die evtl. noch von Hütehunden begleitet werden, versuche diese mit großem Abstand zu umgehen, um Unruhe in der Herde zu vermeiden. Wenn du selbst einen Hund dabei haben solltest, halte ihn an der kurzen Leine.

8. Nimm Rücksicht auf andere Waldbesucher*innen

Keinem gehört der Wald allein. Deswegen sollte man sich immer klar machen, dass man nicht alleine unterwegs ist. Der Respekt vor anderen Waldbesucher*innen ist das A und O. Sei deswegen höflich und respektvoll gegenüber allen anderen Waldbesucher*innen, denen du begegnest. Übermäßiger Lärm, eine dröhnende Boom-Box, freilaufende Hunde oder ein vermüllter Wanderweg nehmen anderen Menschen die Freude an der Natur.
Wanderer, die auf einem schmalen Pfad bergab gehen, sollten den bergauf gehenden Wanderern den Vortritt lassen. Eigentlich sollten Fahrradfahrer*innen den Wanderern Vorrang gewähren – da aber schnelle Mountainbiker*innen meist wenig Zeit haben, um adäquat reagieren zu könen, sollten wir Wanderer einfach immer ein Auge auf die Zweiradler haben und im Zweifel zurückstecken. Sowohl Wander*innen als auch Fahrradfahrer*innen sollten Reiter*innen vorrangig passieren lassen. Kündige deine Anwesenheit höflich an, bevor du andere passierst.

Quellen: www.lnt.org, www.wilderness-society.org und mehrere 1000 km thru-hiking-Erfahrung 🙂

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